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| Xerxes, Großkönig von Persien, bietet das gewaltigste Heer aller Zeiten auf, um das kleine Griechenland endlich zu unterjochen. Nun hält er vor der Schlacht Heerschau. Er preist sich glücklich, denn seine Übermacht ist gewaltig – doch plötzlich beginnt er zu weinen: »Mich überkommt das Mitleid, wenn ich denke, wie kurz das menschliche Leben ist. Von allen diesen Menschen wird nach hundert Jahren keiner mehr leben.« Der ungeheure Reichtum der Dinge und Erinnerungen, die aus der geschichtlichen Entwicklung hervorgegangen sind, übertrifft alles, was Tiere je zuwege brächten. Aber dieser Reichtum ist in den Tod verschränkt. Für Burkhard Müller sind die Tränen des Xerxes eine Chiffre der Humanität. In seinem brillanten Essay zeigt er, daß der orientalische »Barbare« Xerxes viel eher der fragilen Individualität und der flüchtigen Einmaligkeit aller Lebenden gedenkt als die dominante griechisch-westliche Tradition mit ihrer schier endlosen Kette von Genealogien und Fortschrittskonstruktionen. Burkhard Müller, Jahrgang 1959, ist Dozent an der Technischen UniversitätChemnitz-Zwickau und schreibt regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.Zuletzt ist von ihm im zu Klampen Verlag erschienen: Der König hatgeweint. Schiller und das Drama der Weltgeschichte. | ||||